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Open Source im Konflikt zwischen Providern und Geräteherstellern?

Mit der Veröffentlichung eines eigenen Android-Updates Anfang Juli 2011 wagt sich der Mobilfunkanbieter Cincinnati Bell als erster Provider direkt in innere Angelegenheiten der Gerätehersteller vor.

 

Da sich Motorola strikt weigerte, für das XT720 ein Update auf Android 2.2 bereitzustellen, entwickelte der Mobilfunkanbieter Cincinnati Bell einfach eine eigene Firmware. Auf dessen Internetpräsenz kann das Update heruntergeladen werden – samt einer Anleitung zur Installation. Da die Firmware nicht Motorola-OEM-zertifiziert ist, entfallen im Falle eines Updates sämtliche Garantieansprüche gegenüber Motorola. Hier springt Cincinnati Bell ein und übernimmt die Garantie einfach selbst.

 

Bisher integrieren viele Gerätehersteller noch spezielle Dienste in ihren Systemversionen, die eine Registrierung beim Hersteller verlangen. Ein Beispiel wäre Motoblur von Motorola. Dadurch sollen die Kunden an den Hersteller gebunden werden. Ebenso möchte der Provider möglicherweise seine Kunden durch Software-Pflege und Mehrwerte binden. Beides ist - auf Basis von Android und ein entsprechendes Entwicklungsinvest vorausgesetzt - problemlos möglich. Für den Verbraucher entfällt die Regulierung der Software-Updates durch den Gerätehersteller, der diese meist nur in Verbindung mit dem Kauf eines neuen Gerätes bereitstellt. Cincinnati Bell ist mit der freien Download-Option ein Stück weit konsequenter.  In jedem Fall stehen Interessen des Herstellers und des Providers hier deutlich im Konflikt.

 

Da die Wertschöpfung aus Telefongebühren weiter sinken dürfte, haben Mehrwerte für die Kunden für Provider in Zukunft wohl eine wachsende Bedeutung. Die Pflege und Optimierung von Betriebssystemen und damit koppelbare Wertschöpfungsmodelle könnten sich so zu einer Kernkompetenz entwickeln. Das wird die Gerätehersteller bei derzeitigem Businessmodell wenig erfreuen. Ist das Betriebssystem jedoch Open Source Software, so kann dem Provider kaum ein Vorwurf gemacht werden. Die Kunden dürften in jedem Fall profitieren. Ebenso die zahllosen "App-Programierer", die zur Zeit noch in Gerätehersteller-spezifische Anpassungen investieren müsssen.

 

Es bleibt abzuwarten, ob der Fall von Cincinnati Bell ein Einzelfall bleibt, wie die Gerätehersteller reagieren und ob es zu einem grundlegenden Wertschöpfungswandel kommt.

 

Das Update inklusive Installationsanleitung von Cincinnati Bell kann unter diesem Link eingesehen und heruntergeladen werden. Weitere Hintergrundinformationen zum Thema selbst bietet auch ein Artikel auf www.heise.de.