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SFLC veröffentlicht Leitfaden über den Umgang mit Copyright-Informationen

Das Software Freedom Law Center (SFLC) hat am 17. September 2012 einen Leitfaden über den Umgang mit Copyright-Informationen in freien Software-Projekten herausgegeben. Der Artikel mit dem Titel „Managing Copyright Information within a Free Software Project“ erläutert Vorschläge zur sinnvollen Handhabung von Lizenz- und Copyright-Informationen in kleinen als auch in großen Projekten. Das Dokument selbst steht unter der „Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0“-Lizenz zur Verfügung.


Fast jedes freie Software-Projekt beinhaltet Lizenz- und Copyright-Informationen. Vor allem bei großen Projekten kann schnell ein Teil dieser Informationen verloren gehen. Zum Beispiel, wenn viele Autoren an einem Projekt arbeiten und Teile des Quelltextes fortlaufend ergänzt, angepasst oder verworfen werden. Fehlen die Lizenz- und Copyright-Informationen vollständig oder nur teilweise ist der Umgang bzw. die Wiederverwendung des Quelltextes nicht eindeutig geregelt. Im allgemeinen Fall muss dann davon ausgegangen werden, dass der Code nicht kopiert, modifiziert und verteilt werden darf.

 

Das SFLC empfiehlt gerade für große Projekte, bei denen viele Entwickler beteiligt sind, den Einsatz eines so genannten „Revision Control Systems“, oft auch als „Version Control System“ (VCS) bezeichnet. Dazu zählen zentrale Systeme wie SVN oder CVS, aber auch verteilte Systeme wie Git oder Mercurial. Zentrale Systeme sind dadurch gekennzeichnet, dass sämtliche Versionsinformationen in einem einzigen Depot („Repository“) verwaltet werden. Die Versionsinformationen müssen also mit jedem neuen Beitrag manuell hinzugefügt bzw. angepasst werden. Ein zentrales System baut somit auf einem Client-Server-Modell auf. Laut dem SFLC führt dieses Konzept aber häufig zu Versäumnissen, orthographischen Fehlern und falschen Zuordnungen. Verteilte Systeme nutzen dagegen einen „Peer-to-Peer“-Ansatz. Dabei arbeitet jeder Entwickler stets mit einer aktuellen Arbeitskopie bzw. einem eigenen Repository. Jede Änderung an einer Datei wird dann mit einem Zeitstempel und einer Benutzerkennung gespeichert. Dadurch können mehrere Versionen parallel weiterentwickelt („branching“) und später wieder zusammengeführt werden („merging“). Durch den Zeitstempel und die Benutzerkennung können dann Änderungen sowie Versionsinformationen effizienter verwaltet und deren Historie leichter nachvollzogen werden.

 

Im weiteren Verlauf des Artikels vergleicht das SFLC zwei übliche Verfahren zum Umgang mit Copyright-Informationen in freien Software-Projekten. Dabei handelt es sich um das dateibasierte und das zentralisierte Verfahren. Im ersteren werden jeder Datei die Lizenz- und Copyright-Informationen vorangestellt, wohingegen im letzteren die Informationen in einer einzigen Top-Level-Datei gebündelt werden. Das dateibasierte Verfahren eigne sich daher eher für kleinere Projekte, die aus wenigen Dateien und einer überschaubaren Anzahl von Entwicklern bestehen. Für große Projekte steigt der Aufwand zur Pflege und die Übersichtlichkeit nimmt ab. Typisch ist auch ein hybrider Ansatz, bei dem eine primäre Lizenz- und Copyrightdatei existiert, die einzelnen Dateien aber auch Lizenzinformationen enthalten. Für das dateibasierte Verfahren vergleicht das SFLC weiterhin zwei Methoden. Die Free Software Foundation empfiehlt beispielsweise eine klare Struktur über die notwendigen Versionsangaben. Dazu zählen ein Satz über den Namen und die Funktion der Datei, Copyright-Notizen des Autors, ein Statement, dass es sich um freie Software handelt und unter welchen Lizenzen sie verfügbar ist, ein kurzer Haftungsausschluss sowie eine URL zur vollständigen Version der verwendeten Lizenz(en). Alternativ könnten die verwendeten Lizenzen auch vollständig in jeder Datei angegeben werden. Dies eigne sich aber eher nur bei kurzen Lizenzen.

 

Welches Verfahren und welche Methode letztendlich die beste Wahl ist, hängt also besonders von der Projektgröße sowie der Anzahl der Entwickler und der Komplexität der verwendeten Lizenzen ab. Der Leitfaden des SFLC soll Entwickler und Projektmanager dabei unterstützen, den richtigen Weg für ihr Projekt zu finden. Der Artikel ist auf der Webpräsenz des Software Freedom Law Centers unter der Rubrik „Publikationen“ abrufbar.