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GPL-freie BusyBox-Alternative vorgeschlagen

Der Vorschlag des Sony-Mitarbeiters Tim Bird, einen GPL-freien BusyBox-Ersatz zu entwickeln, hat Anfang Februar 2012 zu einer hitzige Debatte geführt, die  einige Kontroversen offen gelegt hat.


BusyBox ist ein weit verbreitetes Programm, das zahlreiche Unix/Linux-Werkzeuge für die Kommandozeile effizient in einer einzigen ausführbaren Datei vereint. Bei der Entwicklung wurde ein extremer modularer Ansatz verfolgt und besonderer Wert auf eine geringe Programmgröße und schonende Ressourcenbeanspruchung gelegt. Daher bietet BusyBox eine recht gute Grundausstattung für jedes eingebettete System, weshalb es heutzutage in fast allen Embedded-Linux-Varianten zum Einsatz kommt. Die Entwickler bezeichnen es als das „Schweizer Taschenmesser für Embedded Linux“. Das Programm wird hauptsächlich von Denys Vlasenko gepflegt und untersteht der GPLv2 („GNU General Public License version 2“).

 

Das Software Freedom Conservancy (SFC) vertritt die lizenzrechtlichen Belange vieler Open-Source-Projekte, darunter auch die der BusyBox. Bei den Beschwerden und Klagen geht es oft darum, dass Unternehmen den Käufern die Rechte an einer erworbenen Software vorenthalten bzw. den Quellcode eines Systems nicht zur Verfügung stellen, obwohl beides explizite Forderungen der GPL sind. Beispielsweise steht auch der Linux-Kernel unter der GPLv2 und ist somit für jeden zugänglich. Bird ist der Meinung, dass Verstöße gegen die GPL zu streng geahndet werden und dass dies die Hersteller verunsichert, so dass die Strafen in keinem Verhältnis zu dem Wert von BusyBox stehen. Der Vorschlag eine GPL-freie BusyBox-Alternative zu entwickeln, hat nun für erheblichen Wirbel gesorgt.

 

Kritik an dem Vorschlag übt zum Beispiel Matthew Garrett, Kernel-Entwickler bei Red Hat. So ziele der Vorschlag insbesondere darauf ab, GPL-Verletzungen zu erleichtern. Aufgrund des häufigen Einsatzes der GPLv2-basierten BusyBox im Bereich Embedded Linux konnten die Verpflichtungen, die mit der Lizenz einhergehen, bisher gut gegen Gerätehersteller durchgesetzt werden, die Linux (mitsamt BusyBox) in ihren Geräten verwenden, ohne die Quelltexte bereitzustellen bzw. die Käufer über ihre Rechte an der Software zu informieren. Mit einem GPL-freien BusyBox-Ersatz fehle dem SFC die rechtliche Grundlage die GPL bezüglich des Linux-Kernels gegen solche Gerätehersteller durchzusetzen, da bisher noch keine Kernel-Entwickler ihre Rechte an das SFC übertragen hätten.

 

Andererseits erhält Bird auch Unterstützung für seinen Vorschlag, beispielsweise von Rob Landley, der ehemals als BusyBox-Maintainer und bis 2009 auch unregelmäßig an dem BusyBox-Ersatz ToyBox gearbeitet hat. Er argumentiert, dass Klagen des SFCs bewirkt hätten, dass sich Gerätehersteller nach Alternativen zu Embedded Linux umsehen oder gleich auf gänzlich GPL-freie Umgebungen umsteigen wie Google beim Android-Userspace.

 

Aufgrund der sich verschärfenden Diskussionen hat Bird klar gestellt, dass es nicht darum gehe GPL-Verletzungen zu erleichtern. Außerdem soll es sich bei der geplanten BusyBox-Alternative nicht um ein Sony-Projekt handeln. Als wahrscheinliche Basis für den bisher noch namenlosen BusyBox-Ersatz erwähnte Bird die von Landley entwickelte ToyBox. Das neue Projekt soll im Wesentlichen auf die Funktionen von BusyBox abgestimmt werden, allerdings auf einige unnötige verzichten. Nach dem ersten halben Entwicklungsjahr soll der Umfang dem der ersten stabilen BusyBox-Version entsprechen. Ebenso wird beabsichtigt das Projekt um die Funktionen der unter Android eingesetzten Toolbox zu erweitern.

 

Weitere Details und Hintergrundinformationen bieten die Seiten von BusyBox und ToyBox, die „BusyBox replacement“-Seite im Embedded Linux Wiki sowie Bird's Vorschlag, Garret's Kritik und Bird's Klarstellung.