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Verstößt Android gegen die GPL?

Nachdem Google seit Mitte Februar 2011 von einigen Open-Source-Experten beschuldigt wird, beim Betriebssystem Android gegen die GPL zu verstoßen, häufen sich nun Hinweise darauf, dass diese Beschuldigungen nicht tragbar sind.

 


 

GPL steht für GNU General Public License und ist eine Open-Source-Lizenz mit Copyleft für die Lizenzierung freier Software. So soll unter anderem sichergestellt werden, dass veränderte Programmcodes, zum Beispiel des Linux-Kernels, nur unter denselben Lizenzbedingungen weitergegeben werden wie das Original.

 

Die Beschuldigungen gegen Google nehmen seit dem 22. Februar 2011 ihren Lauf als der Professor für Rechtswissenschaften Raymond Nimmer in einem Blog-Eintrag auf IPinfoblog.com eine mögliche Verletzung der Copyleft-Klausel der GPL durch Google verlauten ließ. Demzufolge verwende Google beim Android-Projekt ein Skript, um Header-Dateien des Linux-Kernels von Kommentaren und teilweise auch von Programmcode zu befreien. Anschließend beanspruche Google, dass die resultierenden Dateien kein Material von Linux enthalten, das unter die GPL fällt. Nimmer betont allerdings, dass er sich unsicher ist, ob Google damit wirklich die Copyleft-Klausel verletzt.

 

Der Anwalt für Urheber- und Patentrecht Edward J. Naughton ging am 16. März 2011 sogar noch einen Schritt weiter. Angeblich bringe Google durch die Art der Nutzung der Linux Header-Dateien alle Hersteller und Anwendungsentwickler von Android-Geräten in eine rechtliche Zwickmühle. Google habe somit sogar einen Weg gefunden, Linux der Open-Source Gemeinschaft zu entreißen und zu privatisieren.

 

Auch Florian Müller, Gründer der NoSoftwarePatents-Kampagne, bekräftigt die Anschuldigungen gegenüber Google. Nur einen Tag nach Naughtons Kommentar ging er auf die Blog-Einträge ein und behauptete, dass das Problem sogar noch ernster seien könnte. Durch das Kopieren von „2,5 Megabyte Programmcode aus mehr als 700 Header-Dateien des Linux-Kernels mit einem selbst entwickelten Programm, das die Kommentare im Programmcode entfernt und noch einige andere Elemente verändert“ um anschließend zu behaupten, dass die modifizierten Dateien nicht die GPL verletzen, habe Google eindeutig und ernsthaft gegen die Copyleft-Klausel verstoßen. Es könnte also schon bald zu einem Gerichtsverfahren in dieser Angelegenheit kommen, spekuliert Müller.

 

Seit einigen Tagen melden sich nun aber immer mehr Linux-Insider zu Wort, die die Anschuldigungen gegenüber Google entkräften.

 

Aussagen des Linux-Erfinders Linus Torvalds zufolge verwendet die zentrale Android-Bibliothek Bionic den Linux-Kernel genau so wie es die Kernel-Entwickler vorgesehen haben, nämlich als Schnittstelle zu den Funktionen des Kernels.

 

Auch IT-Experte Steven J. Vaughan-Nichols stellt den Wahrheitsgehalt der Beschuldigungen infrage. Seinen Aussagen zufolge ist dies einfach ein weiteres Beispiel von Microsoft's Furcht, Ungewissheit und Zweifel gegenüber Linux und Android. Dies bekräftigt auch Joe Brockmeier, ehemaliger openSUSE Community Manager. So vertusche Naughton sogar die Tatsache, er habe vormals Mircosoft vertreten.

 

Ob und inwiefern Google tatsächlich gegen die GPL verstoßen hat, ist momentan noch nicht zu beantworten, aber es wird sicherlich noch einige Diskussionen darüber geben.