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Linux 3.0 erschienen

Mitte Juli 2011 ist Linux 3.0 erschienen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Neuerungen dürfte das Release aber eher einen Kernel darstellen, der auch unter der Versionsnummer 2.6.40 hätte laufen können. Der Sprung auf Version 3.0 ist daher eher historischer Natur, angesichts des 20-jährigen Jubiläums von Linux bzw. des Antritts der dritten Linux-Dekade.

 

Auch Linux-Erfinder Linus Torvalds betont in seiner Release-Mail zu Linux 3.0 nochmals, dass es sich bei dem Release lediglich um eine neue Nummerierung handle und die Version keine großartigen Änderungen enthalte ("So what are the big changes? NOTHING. Absolutely nothing."). Dennoch kann über einige Neuerungen berichtet werden.

 

Am bisher noch experimentellen Dateisystem Btrfs gab es wohl die häufigsten Neuerungen. Die neue "Delayed Inode Items Operation" bietet laut Messungen des Entwicklers Beschleunigungen von bis zu 15 Prozent beim Erstellen von Dateien und Beschleunigungen von bis zu 20 Prozent beim Löschen von Dateien. Das Dateisystem Ext 4 unterstützt nun die "punch hole"-Funktion, mit der nicht verwendete Blöcke innerhalb von Dateien freigegeben werden können. Das XFS-Dateisystem bietet nun „Online Discard“. Beim Löschen von Dateien wird dabei der entsprechende Datenträger direkt über den freiwerdenden Speicher informiert.

 

Änderungen gab es auch am Storage-Backend für Xen. Nun kann die erste Domäne Dom0 mit dem Xen-Hypervisor zusammen genutzt werden, um Gastsysteme zu hosten. Bei der Implementierung handelt es sich allerdings um eine abgespeckte Variante von kommerziellen Produkten wie Citrix XenServer. Beispielsweise können keine USB-Geräte an Gäste durchgereicht werden.

 

Weitere Neuerungen finden sich auch bei den Grafiktreibern. Neben dem Radeon-DRM/KMS-Treiber, der jetzt auch den Grafikkern der Liano-Prozessoren anspricht, soll der i915-DRM/KMS-Treiber schon den Grafikkern der Ivy-Bridge-Prozessoren ansprechen können, der planmäßig erst Anfang nächsten Jahres von Intel eingeführt werden soll.

 

Im Bereich Netzwerk wurden wie üblich zahlreiche Treiber überarbeitet und erweitert. Dies gilt insbesondere für Treiber von Realtek und Ralink. Unterstützung für Wake on Wireless LAN wurde nun grundlegend in den Kernel integriert und zum Netfilter-Code findet man nun ein "Berkeley Packet Filter Just in Time Compiler", der spezielle Aufgaben zum Filtern von Netzwerkpaketen übernimmt.

 

Weitere wichtige Treiberupdates finden sich beim Isci-Treiber für SAS-Controller, beim XHCI-Treiber für USB 3.0, beim k10temp-Treiber zum Monitoring der Temperatur von AMD-Prozessoren und beim fam15h_power-Treiber zum Monitoring der Leistung von AMD-Prozessoren. Integriert wurden auch einige Media-Treiber beispielsweise für Chips von Sony und Microsofts Kinect sowie weitere Treiber im Rahmen des Alsa-Projekts.

 

Weitere Informationen können der Release-Mail von Torvalds entnommen werden. Daneben bietet heise Open Source einen umfangreichen Artikel über die Details der wichtigsten Neuerungen.